Veröffentlichung: 23.01.2026
Zuletzt aktualisiert am: 10.09.2026
Es passiert schneller, als man denkt. Nach einigen schwachen Börsenwochen, schlechten Nachrichten oder einem unerwarteten wirtschaftlichen oder geopolitischen Ereignis zeigt das Depot plötzlich –20 %.
Auf dem Papier weißt du vielleicht, dass Aktien schwanken. Doch es ist etwas anderes, über mögliche Verluste zu lesen oder im eigenen Depot zu sehen, dass aus 50.000 Euro vorübergehend 40.000 Euro geworden sind. Spätestens dann entstehen häufig Zweifel: War meine Strategie wirklich richtig? Sollte ich etwas verändern? Oder wäre gerade das ein Fehler?
Ein Rückgang von 20 % ist deshalb nicht nur eine Frage der aktuellen Marktentwicklung. Er kann gleichzeitig zu einem Realitätscheck für dein Depot, deine ursprünglichen Erwartungen und dein eigenes Verhalten unter Druck werden.
Die entscheidende Frage lautet dabei nicht automatisch: verkaufen oder investiert bleiben? Zunächst solltest du herausfinden, warum dein Depot gefallen ist und ob sich tatsächlich etwas verändert hat, das eine neue Entscheidung erforderlich macht.
In diesem Artikel schauen wir uns deshalb an, wie ein Rückgang von 20 % einzuordnen ist, welche psychologischen Reaktionen dabei eine Rolle spielen können und welche Fragen du prüfen solltest, bevor du handelst.
Kurzantwort: Was tun, wenn dein Depot 20 % im Minus steht?
Ein Minus von 20 % ist nicht automatisch ein Grund zu verkaufen – aber auch kein Grund, Verluste einfach zu ignorieren. Prüfe zuerst, ob der gesamte Markt gefallen ist oder einzelne Investments besonders betroffen sind, ob sich an deiner ursprünglichen Investmentthese etwas verändert hat und ob deine finanzielle Situation und dein Anlagehorizont noch dieselben sind.
Bei einem breit diversifizierten Portfolio kann ein solcher Rückgang zu normalen, wenn auch unangenehmen Börsenphasen gehören. Bei einzelnen Aktien können dagegen fundamentale Probleme hinter dem Kursverlust stehen. Die Höhe des Verlusts allein sagt deshalb noch nicht, ob du verkaufen, nachkaufen oder investiert bleiben solltest.
Das gefällt mir für diesen Artikel sehr gut, weil die Kurzantwort bereits die entscheidende Differenzierung des gesamten Updates liefert, ohne dem späteren Artikel vorzugreifen.
Danach würde ich den vorhandenen Übergang leicht anpassen:
Warum sich rote Zahlen im Depot häufig belastender anfühlen, als wir vorher erwarten, betrachten wir ausführlicher hier:
👉 Warum sich Verluste im Depot schlimmer anfühlen als sie sind
Was bedeutet ein Drawdown von 20 % eigentlich?
Ein Drawdown beschreibt den Rückgang eines Investments oder Portfolios von einem zuvor erreichten Höchststand bis zu einem späteren Tiefpunkt.
Stand dein Depot beispielsweise bei 50.000 Euro und fällt anschließend auf 40.000 Euro, entspricht das einem Drawdown von 20 %. Der aktuelle Marktwert deines Depots ist damit tatsächlich um 10.000 Euro gesunken.
Solange du nicht verkaufst, ist dieser Verlust allerdings noch nicht durch einen Verkauf realisiert. Wie sich der Wert anschließend entwickelt, ist offen. Diese Unterscheidung ist wichtig – sie bedeutet aber nicht, dass ein nicht realisierter Verlust automatisch harmlos wäre.
Gerade hier muss zwischen einem breit diversifizierten Aktienmarkt und einzelnen Investments unterschieden werden. Ein breiter Aktienindex kann während eines allgemeinen Marktrückgangs deutlich fallen. Bei einer einzelnen Aktie kann ein Kursverlust dagegen auch darauf hindeuten, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten des Unternehmens dauerhaft verschlechtert haben.
Die Höhe des Rückgangs allein sagt deshalb noch nicht, was du tun solltest.
Ist ein Minus von 20 % bereits ein Crash?
An den Finanzmärkten werden Rückgänge von mindestens etwa 20 % gegenüber einem vorherigen Höchststand häufig als Bärenmarkt bezeichnet. Von einer Korrektur spricht man üblicherweise bereits bei kleineren Rückgängen.
Der Begriff „Crash“ ist weniger eindeutig definiert und wird meist für besonders starke oder schnelle Kurseinbrüche verwendet. Für deine Anlageentscheidung ist diese Bezeichnung ohnehin weniger wichtig als die Frage, was hinter dem Rückgang steckt.
Ein Minus von 20 % in einem breit gestreuten Aktienportfolio während eines allgemeinen Bärenmarktes ist etwas anderes als ein Minus von 20 % in einer einzelnen Aktie nach einer Gewinnwarnung. Ebenso kann ein schlecht diversifiziertes Depot wesentlich stärker auf einzelne Branchen oder Unternehmen reagieren als der Gesamtmarkt.
Bevor du also aus der Zahl –20 % eine Handlung ableitest, brauchst du Kontext.
Wie ungewöhnlich sind 20 % Verlust an der Börse?
Ein deutlicher Rückgang fühlt sich häufig außergewöhnlicher an, als er aus historischer Perspektive tatsächlich ist. Aktienmärkte verlaufen nicht gleichmäßig nach oben. Auch längere positive Phasen werden immer wieder von Korrekturen und stärkeren Bärenmärkten unterbrochen.
Rückgänge von 20 % oder mehr sind an großen Aktienmärkten historisch wiederholt vorgekommen. Sie treten allerdings nicht nach einem verlässlichen Rhythmus auf. Zwischen zwei größeren Rückgängen können nur wenige Jahre liegen, in anderen Phasen deutlich mehr.
Gerade deshalb wäre es wenig hilfreich, aus historischen Durchschnittswerten abzuleiten, wann der nächste größere Rückgang auftreten müsste. Geschichte kann dir helfen, Schwankungen realistischer einzuordnen – sie liefert aber keinen Börsenkalender.
Auch die vergangenen Krisen zeigen, wie unterschiedlich solche Phasen verlaufen können.
Während der Finanzkrise 2008/09 fielen große Aktienmärkte über einen längeren Zeitraum massiv. Im Frühjahr 2020 verlief der Corona-Crash dagegen außergewöhnlich schnell: Innerhalb weniger Wochen brachen die Kurse stark ein, anschließend setzte eine ebenfalls ungewöhnlich schnelle Erholung ein. 2022 wiederum belasteten unter anderem hohe Inflation und deutlich steigende Zinsen die Aktienmärkte über einen längeren Zeitraum.
Drei starke Rückgänge – aber drei sehr unterschiedliche Verläufe.
Genau darin liegt die wichtigere historische Erkenntnis: Ein Rückgang von 20 % ist bei einer langfristigen Aktienanlage kein außergewöhnliches Ereignis. Wie lange er dauert, wie weit die Kurse anschließend noch fallen und wann eine Erholung beginnt, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Das gilt besonders für einzelne Aktien. Dass sich ein breit diversifizierter Aktienmarkt in der Vergangenheit von schweren Rückgängen wieder erholt hat, bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen zu seinem früheren Höchstkurs zurückkehrt. Manche Unternehmen erholen sich, andere verlieren dauerhaft an wirtschaftlicher Bedeutung oder verschwinden vollständig vom Markt.
Deshalb ist „einfach durchhalten“ keine allgemeingültige Antwort auf ein Depot im Minus.
Wenn du dich grundsätzlich darauf vorbereiten möchtest, wie du mit stärkeren Marktphasen umgehen kannst, bevor sie eintreten, findest du hier einen ausführlicheren Entscheidungsrahmen:
👉 Wie du im Börsencrash ruhig bleibst: Die Anti-Crash-Strategie
Warum sich –20 % psychologisch so schwierig anfühlen
Die schwierigste Phase eines Kursrückgangs beginnt häufig nicht bei einer bestimmten Prozentzahl. Sie beginnt dort, wo die tatsächliche Entwicklung nicht mehr zu den Erwartungen passt, mit denen du dein Depot aufgebaut hast.
Vielleicht wusstest du theoretisch, dass Aktien um 20 oder 30 % fallen können. Trotzdem kann es sich völlig anders anfühlen, wenn du die entsprechenden Beträge im eigenen Depot siehst und gleichzeitig niemand weiß, ob die Kurse morgen steigen oder weitere 10 % verlieren.
Unter dieser Unsicherheit können psychologische Mechanismen an Bedeutung gewinnen, die in ruhigen Marktphasen kaum auffallen.
Verlustaversion: Wenn der Verlust die Wahrnehmung verändert
Verluste können psychologisch stärker ins Gewicht fallen als vergleichbare Gewinne. Dadurch verändert sich unter Druck häufig auch die Art, wie wir mögliche Entscheidungen bewerten.
Der Wunsch, den unangenehmen Zustand möglichst schnell zu beenden, kann dann wichtiger werden als die Frage, welche Entscheidung langfristig sinnvoll ist. Ein Verkauf kann sich beispielsweise allein deshalb erleichternd anfühlen, weil anschließend zumindest die Unsicherheit über weitere Verluste verschwindet.
Das bedeutet nicht, dass Verkaufen falsch ist. Problematisch wird es erst, wenn die emotionale Erleichterung zum eigentlichen Entscheidungsgrund wird, obwohl sich an der ursprünglichen Investmentthese nichts verändert hat.
Aktionismus: Wenn Handeln wieder Kontrolle verspricht
Ein fallendes Depot erzeugt leicht das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Handeln kann diese Kontrolle scheinbar zurückgeben: Positionen verkaufen, umschichten, den Sparplan verändern oder plötzlich nach neuen vermeintlich sichereren Anlagen suchen.
Doch Aktivität und eine gute Entscheidung sind nicht dasselbe.
Manchmal ist eine Veränderung notwendig. Manchmal ist es rational, nichts zu verändern. Entscheidend ist, ob die Handlung auf neuen relevanten Informationen beruht – oder hauptsächlich darauf, dass Nichtstun gerade unangenehm ist.
Rückschaufehler: „Das hätte ich doch sehen müssen“
Nach einem deutlichen Kursrückgang wirkt die Vergangenheit häufig eindeutiger, als sie vorher war. Warnzeichen, die zuvor nur eine von mehreren möglichen Entwicklungen darstellten, erscheinen rückblickend plötzlich offensichtlich.
Dadurch kann der Eindruck entstehen, man hätte den Rückgang vorhersehen und rechtzeitig verkaufen müssen. Das erhöht nicht nur den Frust über die bisherige Entscheidung, sondern kann auch den Druck verstärken, beim nächsten Mal unbedingt früher reagieren zu wollen.
Für langfristige Anleger ist deshalb eine andere Frage hilfreicher: War meine damalige Entscheidung auf Basis der Informationen, die zu diesem Zeitpunkt verfügbar waren, nachvollziehbar?
Informationsdruck: Wenn jede Schlagzeile eine Entscheidung verlangt
In unruhigen Marktphasen steigt meist nicht nur die Volatilität, sondern auch die Menge an Erklärungen und Prognosen. Experten diskutieren neue Risiken, Medien suchen Ursachen für jeden Kursausschlag und in sozialen Netzwerken berichten Anleger davon, was sie verkauft oder gekauft haben.
Mehr Informationen schaffen dabei nicht automatisch mehr Klarheit. Im Gegenteil: Wenn jede neue Einschätzung die eigene Strategie erneut infrage stellt, kann Informationssuche zusätzlichen Handlungsdruck erzeugen.
Gerade deshalb lohnt es sich, typische psychologische Mechanismen zu kennen. Eine ausführlichere Einordnung findest du hier:
👉 Börsenpsychologie: 7 Denkfehler, die Anleger Geld kosten
Doch selbst dieses Wissen beantwortet noch nicht die entscheidende persönliche Frage. Nicht jeder Anleger gerät durch dieselbe Situation unter Druck.
Und genau dort setzt der nächste Teil an.
Ein Minus von 20 % ist ein Realitätscheck auf drei Ebenen
Ein deutlicher Rückgang im Depot sagt zunächst nur etwas über die Entwicklung des Marktwerts aus. Er sagt noch nicht, ob dein Depot schlecht aufgebaut ist, deine Strategie nicht funktioniert oder du etwas verändern solltest.
Gerade deshalb kann eine solche Phase aufschlussreich sein. Sie zeigt dir unter realen Bedingungen, ob dein Portfolio, deine Erwartungen und dein Verhalten tatsächlich zu der Strategie passen, die du in ruhigeren Zeiten gewählt hast.
1. Portfolio: Ist dein Depot grundsätzlich robust aufgebaut?
Der erste Blick sollte dem Depot selbst gelten. Denn 20 % Verlust können sehr unterschiedliche Ursachen haben.
Ist ein breit diversifizierter Aktienmarkt gefallen und dein Depot bewegt sich ungefähr mit diesem Markt? Oder stammen große Teile des Verlusts aus wenigen Einzelaktien, einer bestimmten Branche oder einem anderen Schwerpunkt?
Diese Unterscheidung ist wichtig. Ein breit gestreutes Aktienportfolio kann in einem allgemeinen Bärenmarkt deutlich verlieren, obwohl die grundlegende Strategie unverändert ist. Wenn dagegen einzelne Positionen wesentlich stärker fallen, solltest du prüfen, ob lediglich die Bewertung gesunken ist oder ob sich beim Unternehmen tatsächlich etwas verändert hat.
Auch Klumpenrisiken werden häufig erst in schwierigen Marktphasen richtig sichtbar. Mehrere Investments können auf den ersten Blick unterschiedlich aussehen und trotzdem von denselben wirtschaftlichen Faktoren abhängig sein.
Ein Rückgang kann deshalb Schwächen in der Depotstruktur sichtbar machen. Er ist aber noch kein Beweis dafür, dass die Struktur falsch ist.
2. Erwartungen: War dir dieses Risiko wirklich bewusst?
Die zweite Ebene betrifft nicht das Depot, sondern die Erwartungen, mit denen du es aufgebaut hast.
Viele Anleger wissen, dass Aktien schwanken. Aussagen wie „Aktien können zwischenzeitlich 20, 30 oder sogar mehr Prozent verlieren“ sind schnell gelesen. Wesentlich schwieriger ist es, diese Prozentzahlen auf das eigene Vermögen zu übertragen.
Ein Rückgang von 20 % bedeutet bei einem Depot von 10.000 Euro einen vorübergehenden Marktwertverlust von 2.000 Euro. Bei 50.000 Euro sind es 10.000 Euro und bei 200.000 Euro bereits 40.000 Euro.
Die Prozentzahl ist dieselbe. Die persönliche Wahrnehmung kann sich mit wachsendem Vermögen trotzdem deutlich verändern.
Genau deshalb zeigt sich die eigene Risikotoleranz nicht nur daran, welche Schwankung man sich in einer ruhigen Marktphase theoretisch zutraut. Entscheidend ist auch, wie man reagiert, wenn diese Schwankung tatsächlich eintritt.
Wenn du bei –20 % feststellst, dass du kaum noch schlafen kannst oder ständig darüber nachdenkst, dein Depot vollständig zu verkaufen, ist das eine wichtige Information. Sie bedeutet nicht automatisch, dass du jetzt verkaufen solltest. Sie kann aber darauf hindeuten, dass das tatsächliche Risiko deines Depots höher ist, als du langfristig komfortabel tragen kannst.
Wie du Risiko nicht nur anhand abstrakter Prozentzahlen, sondern passend zu deiner persönlichen Situation einordnen kannst, betrachten wir ausführlicher hier:
👉 Wie viel Risiko gehört wirklich ins Depot?
3. Verhalten: Was setzt dich gerade wirklich unter Druck?
Die dritte Ebene ist häufig schwieriger zu erkennen, weil der offensichtliche Auslöser zunächst klar scheint: Das Depot ist 20 % gefallen.
Doch vielleicht ist der Verlust selbst gar nicht das größte Problem.
Möglicherweise verunsichert dich stärker, dass niemand sagen kann, ob die Kurse morgen weiter fallen. Vielleicht liest du ständig neue Krisenprognosen. Vielleicht kennst du jemanden, der rechtzeitig verkauft hat. Oder du beginnst zu zweifeln, weil eine andere Strategie zuletzt besser funktioniert hat als deine eigene.
Auch der Wunsch nach Kontrolle kann eine große Rolle spielen. Wenn du das Gefühl hast, etwas tun zu müssen, kann eine Veränderung im Depot kurzfristig beruhigend wirken – unabhängig davon, ob sie langfristig sinnvoll ist.
Deshalb lohnt sich eine ungewöhnliche Frage:
Wenn ich jetzt etwas an meinem Depot verändern möchte: Welches konkrete Problem versuche ich damit eigentlich zu lösen?
Hat sich das Investment verändert? Hat sich deine finanzielle Situation verändert? Oder möchtest du vor allem das unangenehme Gefühl von Unsicherheit reduzieren?
Diese Fragen führen zu einem wichtigen Punkt: Nicht jeder Anleger gerät durch dieselben Situationen unter Druck.
Manche reagieren besonders stark auf deutliche Verluste. Andere beginnen eher zu zweifeln, wenn andere Anleger höhere Renditen erzielen, Experten vor einer Krise warnen oder die eigene Strategie einige Jahre hinter den Erwartungen zurückbleibt.
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Was du bei –20 % prüfen solltest, bevor du handelst
Nach einem deutlichen Rückgang besteht die wichtigste Aufgabe nicht darin, möglichst schnell eine Entscheidung zu treffen. Sinnvoller ist es, zunächst herauszufinden, ob überhaupt etwas passiert ist, das eine neue Entscheidung erforderlich macht.
Dafür können einige Fragen helfen.
1. Betrifft der Rückgang den gesamten Markt oder einzelne Investments?
Schau zunächst darauf, woher das Minus kommt.
Wenn ein breit diversifizierter Aktienmarkt deutlich gefallen ist und dein Portfolio ungefähr dieselbe Entwicklung zeigt, spricht das für eine andere Situation als bei einer einzelnen Aktie, die wesentlich stärker verliert als ihr Vergleichsmarkt.
Auch ein vermeintlich diversifiziertes Depot kann sich dabei als stärker konzentriert herausstellen als gedacht. Wer beispielsweise mehrere Unternehmen aus derselben Branche hält, besitzt zwar verschiedene Aktien, kann wirtschaftlich aber trotzdem von denselben Risiken abhängig sein.
Die Frage lautet deshalb nicht nur: Wie viel hat mein Depot verloren? Sondern auch: Warum hat es verloren?
2. Hat sich nur der Preis verändert – oder auch das Investment?
Diese Unterscheidung ist besonders bei einzelnen Aktien wichtig.
Ein Kurs kann fallen, weil Anleger insgesamt vorsichtiger werden, weil sich Zinsen oder Konjunkturerwartungen verändern oder weil eine ganze Branche neu bewertet wird. Er kann aber ebenso fallen, weil sich die wirtschaftlichen Aussichten eines Unternehmens verschlechtert haben.
Deshalb ist die Frage
„Hat sich meine ursprüngliche Investmentthese verändert – oder hauptsächlich der Marktpreis?“
ein guter Ausgangspunkt.
Bei einem breit diversifizierten ETF lässt sich diese Frage anders beantworten als bei einer einzelnen Aktie. Gerade deshalb wäre es problematisch, aus einem Verlust von 20 % pauschal abzuleiten, dass man entweder immer verkaufen oder grundsätzlich durchhalten sollte.
3. Hat sich deine persönliche Situation verändert?
Nicht jede notwendige Veränderung entsteht an der Börse.
Vielleicht hat sich seit dem Aufbau deines Depots dein Einkommen verändert. Vielleicht benötigst du einen Teil des Geldes früher als geplant, deine Liquiditätsreserve ist kleiner geworden oder dein ursprünglicher Anlagehorizont passt nicht mehr.
Dann kann dieselbe Depotstruktur, die vor einigen Jahren sinnvoll war, heute anders zu beurteilen sein.
Diese Frage ist besonders wichtig, weil ein langfristiges Aktieninvestment voraussetzt, dass du stärkere Schwankungen finanziell aushalten kannst. Geld, das möglicherweise kurzfristig benötigt wird, erfüllt andere Anforderungen als Kapital, das für viele Jahre investiert bleiben kann.
4. Passt das tatsächliche Risiko noch zu dir?
Ein Bärenmarkt ist ein schlechter Zeitpunkt für spontane Grundsatzentscheidungen – aber ein guter Zeitpunkt, um etwas über die eigene Risikotoleranz zu lernen.
Vielleicht stellst du fest, dass du den Rückgang zwar unangenehm findest, aber deine Strategie weiterhin nachvollziehen kannst. Vielleicht merkst du aber auch, dass die Schwankungen deutlich stärker auf dich wirken, als du beim Aufbau des Depots erwartet hattest.
Das bedeutet nicht, dass du mitten im Rückgang sofort deine Aktienquote reduzieren solltest. Eine solche Erkenntnis kann jedoch wichtig sein, wenn du deine langfristige Depotstruktur später in einer ruhigeren Situation überprüfst.
Eine Strategie ist schließlich nicht allein deshalb gut, weil sie mathematisch eine attraktive erwartete Rendite besitzt. Sie muss auch so aufgebaut sein, dass du sie in schwierigen Phasen tatsächlich durchhalten kannst.
5. Würdest du heute dieselbe Entscheidung noch einmal treffen?
Diese Frage kann besonders bei einzelnen Positionen hilfreich sein:
Wenn ich dieses Investment heute nicht besitzen würde – würde ich es unter den aktuellen Bedingungen erneut kaufen?
Dabei solltest du versuchen, den ursprünglichen Kaufpreis gedanklich auszublenden. Ob eine Aktie früher 100 Euro gekostet hat und heute bei 70 Euro steht, sagt allein nichts darüber aus, ob sie heute attraktiv oder unattraktiv ist.
Die Frage zwingt dich stattdessen zurück zur Gegenwart: Wie beurteilst du das Geschäftsmodell, die Risiken und die Bewertung heute?
Das schützt sowohl vor einem reflexartigen Verkauf aufgrund roter Zahlen als auch vor dem gegenteiligen Fehler, an einem Investment nur deshalb festzuhalten, weil du deinen ursprünglichen Kaufkurs irgendwann wiedersehen möchtest.
6. Möchtest du aus rationalen Gründen handeln – oder Unsicherheit reduzieren?
Zum Schluss lohnt sich noch einmal der Blick auf den eigenen Entscheidungsgrund.
Vielleicht hast du nach deiner Prüfung einen konkreten Grund für eine Veränderung gefunden: eine Investmentthese trägt nicht mehr, ein Klumpenrisiko ist größer als gedacht oder deine persönliche finanzielle Situation hat sich verändert.
Dann kann Handeln rational sein.
Wenn der Hauptgrund dagegen lautet
„Ich halte dieses Gefühl einfach nicht mehr aus“,
solltest du zumindest erkennen, dass du gerade nicht ausschließlich auf neue Informationen über dein Investment reagierst.
Das bedeutet wiederum nicht, dass du unter keinen Umständen handeln darfst. Aber es hilft, eine strategische Entscheidung von einer Entscheidung zu unterscheiden, die vor allem kurzfristige emotionale Erleichterung schaffen soll.
Wann Nichtstun, Nachkaufen oder Verkaufen sinnvoll sein kann
Erst nach diesen Fragen lässt sich sinnvoll darüber sprechen, was du bei einem Depot mit 20 % Verlust konkret tun kannst. Denn Nichtstun, Nachkaufen und Verkaufen können jeweils rationale Entscheidungen sein – aber aus unterschiedlichen Gründen.
Bei einem breit diversifizierten Portfolio, einem unveränderten langfristigen Anlagehorizont und einer weiterhin passenden Risikostruktur kann es beispielsweise sinnvoll sein, die bestehende Strategie unverändert fortzuführen. Nichtstun ist dann keine Passivität, sondern eine bewusste Entscheidung.
Auch ein bestehender Sparplan muss nicht allein deshalb verändert werden, weil die Kurse gefallen sind. Wenn die ursprüngliche Strategie weiterhin passt und das regelmäßig investierte Geld langfristig nicht benötigt wird, bedeutet ein niedrigerer Kurs zunächst lediglich, dass mit derselben Sparrate mehr Anteile gekauft werden. Das garantiert allerdings nicht, dass die Kurse kurzfristig wieder steigen.
Nachkaufen sollte ebenfalls nicht allein mit dem Argument begründet werden, dass etwas 20 % billiger geworden ist. Bei einem breit diversifizierten Markt kann zusätzliches Investieren Teil einer vorher festgelegten Strategie sein. Bei einer einzelnen Aktie solltest du dagegen erneut prüfen, ob die ursprüngliche Investmentthese weiterhin trägt und ob die Position dadurch nicht zu groß im Gesamtdepot wird.
Und auch Verkaufen ist nicht grundsätzlich ein Fehler. Wenn sich bei einem Unternehmen die fundamentale Ausgangslage wesentlich verschlechtert hat, deine Depotstruktur ein problematisches Klumpenrisiko enthält oder sich deine persönliche finanzielle Situation verändert hat, kann eine Anpassung sinnvoll sein – selbst wenn dadurch ein Verlust realisiert wird.
Der entscheidende Unterschied liegt deshalb nicht zwischen Handeln und Nichtstun.
Er liegt zwischen einer Entscheidung, die aus einem nachvollziehbaren Grund getroffen wird, und einer Reaktion, die hauptsächlich durch den aktuellen Kursverlust ausgelöst wird.
Ein Minus von 20 % beantwortet die Frage „Was soll ich tun?“ also nicht. Es ist der Ausgangspunkt für die Fragen, die du stellen solltest, bevor du etwas tust.
Häufige Fragen: Depot 20 % im Minus
Ist ein Minus von 20 % an der Börse normal?
Rückgänge von 20 % oder mehr sind an Aktienmärkten historisch wiederholt aufgetreten und gehören zu den Risiken einer Aktienanlage. Sie treten allerdings nicht nach einem festen Muster auf und können sich je nach Marktphase sehr unterschiedlich entwickeln.
Wichtig ist außerdem, zwischen einem breit diversifizierten Aktienmarkt und einzelnen Investments zu unterscheiden. Ein Rückgang von 20 % bei einer einzelnen Aktie kann ganz andere Ursachen und Konsequenzen haben als ein allgemeiner Bärenmarkt.
Sollte man bei 20 % Verlust Aktien verkaufen?
Das lässt sich allein anhand der Verlusthöhe nicht entscheiden. Bei einem breit diversifizierten Portfolio in einem allgemeinen Marktrückgang kann die Situation anders zu beurteilen sein als bei einer einzelnen Aktie, deren wirtschaftliche Aussichten sich deutlich verschlechtert haben.
Entscheidend ist deshalb nicht, ob dein Depot eine bestimmte Verlustgrenze erreicht hat. Prüfe stattdessen, warum das Investment gefallen ist, ob die ursprüngliche Investmentthese weiterhin gilt und ob sich deine persönliche finanzielle Situation verändert hat.
Sollte man bei einem Rückgang von 20 % nachkaufen?
Auch dafür gibt es keine pauschale Antwort. Wenn zusätzliche Käufe ohnehin Bestandteil deiner langfristigen Strategie sind, dein Anlagehorizont unverändert ist und du das Geld nicht anderweitig benötigst, können niedrigere Kurse eine Gelegenheit sein, zu günstigeren Preisen weitere Anteile zu erwerben.
Bei einzelnen Aktien reicht ein niedrigerer Kurs dagegen nicht als Begründung. Ein Investment, das 20 % gefallen ist, kann günstiger bewertet sein – oder das Unternehmen kann heute tatsächlich weniger wert sein als zuvor. Außerdem solltest du darauf achten, dass durch Nachkäufe keine ungewollten Klumpenrisiken entstehen.
Sollte ich meinen Sparplan weiterlaufen lassen, wenn die Börse fällt?
Ein bestehender Sparplan muss nicht allein wegen fallender Kurse gestoppt werden. Wenn die zugrunde liegende Strategie weiterhin zu deinem Anlagehorizont, deiner finanziellen Situation und deiner Risikotoleranz passt, kann es sinnvoll sein, ihn unverändert fortzuführen.
Der Vorteil eines Sparplans besteht gerade darin, dass du nicht für jeden Kauf neu entscheiden musst, ob der aktuelle Zeitpunkt günstig ist. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Sparplan grundsätzlich unverändert bleiben sollte, wenn sich deine finanzielle Situation oder die ursprüngliche Strategie verändert hat.
Wie lange dauert die Erholung nach einem Rückgang von 20 %?
Dafür gibt es keine verlässliche Dauer. Vergangene Bärenmärkte unterscheiden sich erheblich: Manche Rückgänge wurden relativ schnell aufgeholt, andere benötigten deutlich länger.
Historische Erholungen können deshalb helfen, starke Schwankungen einzuordnen. Sie eignen sich aber nicht dazu, vorherzusagen, wann dein Depot wieder seinen früheren Höchststand erreichen wird. Für einzelne Aktien ist eine vollständige Erholung ohnehin keineswegs garantiert.
Wie kann ich mich mental auf größere Verluste vorbereiten?
Die beste Vorbereitung beginnt nicht erst dann, wenn dein Depot bereits deutlich im Minus steht. Hilfreich sind realistische Erwartungen an mögliche Schwankungen, eine robuste Depotstruktur und Regeln, die du festlegst, bevor du unter emotionalem Druck stehst.
Besonders wichtig ist dabei, eine Strategie zu wählen, deren Schwankungen du nicht nur theoretisch akzeptierst, sondern auch praktisch aushalten kannst. Wie sich eine solche langfristige Herangehensweise aufbauen lässt, betrachten wir ausführlicher hier:
👉 Solide Rendite ohne Börsenstress – die Strategie für ruhige Anleger
Fazit: Ein Minus von 20 % ist nicht automatisch ein Verkaufssignal
Ein Depotverlust von 20 % fühlt sich erheblich an – besonders dann, wenn du eine solche Phase zum ersten Mal mit einem größeren investierten Vermögen erlebst. Der Rückgang allein sagt jedoch noch nicht, ob du verkaufen, nachkaufen oder überhaupt etwas verändern solltest.
Entscheidend ist zunächst, was hinter dem Minus steckt.
Ist ein breit diversifizierter Markt gefallen oder betrifft der Rückgang vor allem einzelne Positionen? Hat sich an der ursprünglichen Investmentthese etwas verändert? Passt dein Anlagehorizont weiterhin? Und entspricht das tatsächliche Schwankungsrisiko deines Depots noch dem Risiko, das du langfristig tragen kannst?
Genauso wichtig ist die Frage, was gerade in dir selbst passiert. Vielleicht gibt es einen sachlichen Grund zu handeln. Vielleicht erzeugen aber vor allem Unsicherheit, negative Schlagzeilen oder der Wunsch nach Kontrolle den Eindruck, dass du unbedingt etwas verändern musst.
Genau darin liegt der eigentliche Wert solcher Marktphasen: Ein Rückgang von 20 % ist nicht nur ein Test für dein Portfolio. Er ist ein Realitätscheck für die Annahmen, mit denen du dieses Portfolio aufgebaut hast.
Eine robuste Anlagestrategie sollte deshalb nicht darauf angewiesen sein, dass du den nächsten Rückgang rechtzeitig erkennst. Sie sollte berücksichtigen, dass stärkere Schwankungen auftreten können – und dir einen Rahmen geben, innerhalb dessen du auch dann Entscheidungen treffen kannst, wenn die weitere Entwicklung unsicher ist.
Das bedeutet nicht, unter allen Umständen investiert zu bleiben. Es bedeutet auch nicht, grundsätzlich nachzukaufen oder Verluste einfach auszusitzen. Es bedeutet, zwischen einer notwendigen Anpassung und dem verständlichen Wunsch zu unterscheiden, auf unangenehme Unsicherheit möglichst schnell zu reagieren.
Wer langfristig ruhiger investieren möchte, sollte deshalb nicht nur wissen, was er beim nächsten deutlichen Rückgang prüfen kann. Ebenso hilfreich ist es zu verstehen, welche Situationen einen persönlich besonders leicht dazu bringen, die eigene Strategie infrage zu stellen oder unnötig einzugreifen.
Wenn du genau das für dich herausfinden möchtest, kannst du hier noch einmal unseren kostenlosen Test nutzen:
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So wird aus der Frage „Was soll ich bei –20 % tun?“ eine langfristig wichtigere Frage:
Welche Entscheidung passt zu meinem Depot, meiner Situation und meiner Strategie – auch dann, wenn ich nicht weiß, was die Börse als Nächstes macht?
❗ Hinweis: Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr.





